Hetze

Wer hetzt?

Die Politiker hetzen Richtung rechts, um die nationalen Grenzen zu schützen und nicht noch mehr Wählerstimmen zu verlieren. Die Medien hetzen den angeblichen und den wirklichen Schand- und Gräueltaten der Flüchtlinge hinterher, aus Angst, nach dem Köln-Vorfall nicht wieder dem Vorwurf der Lügenpresse ausgesetzt zu sein. Und die „besorgten Bürger“, die hetzen einfach – verbreiten Gerüchte und Missgunst. Mitunter alle in Österreich sind zur Zeit hysterisch. Hysterische Menschen denken nicht klar und rational, einige sogar eher national-istisch.

So rhetorisch unterirdisch und unmenschlich unsere Innenministerin im Moment auch klingt, man kann ihr fast abnehmen, dass sie mit dem Schützen der österreichischen Grenzen das Engagement der anderen EU-Staaten in der Migranten-Thematik vorantreiben will. Jedoch nehme ich ihr nicht ab, dass sie davon überzeugt ist, dass sich Menschen von „Druckpunkten“ an den Grenzen abhalten lassen ins Land zu kommen. Wie sie mit den „baulichen Maßnahmen“ und der „Obergrenze“  verhindern will, dass vor Krieg und Terror fliehende Menschen unseren Boden nicht betreten, frage ich mich ernsthaft. Schaffen wird sie das nicht und die Folgen von illegaler Einreise (rund um den Zaun) werden Obdachlosigkeit, Hunger, Kriminalität, Elend und ein Verstecken im Untergrund sein. Die deshalb leidenden – hoffentlich nicht bald toten – Bauernopfer werden in Kauf genommen. Die Methoden, die angewendet werden sollen, schüren selbstredend Verzweiflung und Hass. Dankbar werden die wenigsten Flüchtlinge sein. Mit den abstrusesten Ideen werden die Fliehenden vergrault – ob es rote Bänder am Handgelenk sind, die sie kennzeichnen sollen, ob es ein Schwimmbad- oder Ausgehverbot nach Einbruch der Dunkelheit ist oder ganz simpler Alltagsrassismus der Mitmenschen – der Phantasie sind – spannenderweise hier – keine Grenzen gesetzt und erinnert immer mehr an vergangene Zeiten. Ausgrenzung, Stigmatisierung, Gerüchte, Aufregung und Hysterie  – wir wussten von nichts – trotz der neuen Sozialen Medien und der damit einhergehenden Verbindung in die meisten Länder.

 

Wer hat Angst vorm… weinenden Flüchtlingskind?

Man muss Angst haben vor dem fremden arabischen Mann – am Bahnhof, im Schwimmbad, am Heimweg und das nicht nur Nachts, auch tagsüber ist man nicht mehr sicher, das versichert man uns tagtäglich. Man sollte ihnen nicht in die Augen sehen, sie nicht provozieren, am besten verschleiert außer Haus gehen und nicht mehr ohne Begleitung auf die Straße. Angst soll man haben –  muss man haben, um unser sorgenfreien Leben, um unsere Freiheit, um unser Geld und unsere Privilegien. Alles steht Kopf. Frauen denken darüber nach, sich Pfeffersprays zuzulegen und fürchten sich vor ausländischen Männergruppen in der Öffentlichkeit. Männer gründen mehr als fragwürdige Bürgerwehren. Vieles läuft falsch – rennt falsch. Nein, hetzt – das ist falsch! Wie man an den Videos aus Sachsen (Clausnitz) von gestern Abend sieht. „Wir sind das Volk!“ wird gebrüllt und Frauen mit ihren Kindern werden eingeschüchtert, so dass sich diese nicht aus dem Bus bei der Unterkunft trauen und weinen. Bis sie dann von der Polizei hineingezerrt werden.

„Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient“, meinte der französische Philosoph und Politiker Joseph Marie de Maistre. Die Politik handelt nach Meinung und Aufschrei des Volkes. Das Volk agiert – die Politik reagiert. Welches Volk schreit da, welches Volk ist hier „besorgt“? Ich bin es nicht! Nicht dieses Volk, das man überall hört und liest. Nur wenn man ganz genau hinsieht, entdeckt man die Stimmen, die dagegen sind. Gegen den Hass, der sich immer mehr und flächendeckender ausbreitet, gegen die Unmenschlichkeit, die salonfähig geworden ist, gegen die Verrohung der Menschen und ihrer Sprache und gegen Grenzen, Zäune und Mord, gegen den Tod tausender Unschuldiger. Ich sage das laut und deutlich und mit Konjunktion: Zu diesem Volk gehöre ich nicht! Da wurde ich gefragt, was man noch tun kann, so als vermeintlicher „Gutmensch“ auf fast verlorenem Posten. Selbst hatte ich eine Zeit des Zweifelns, des Aufgebens – aber nein! Nicht resignieren, nicht einknicken – laut sein, aufstehen! Zivilcourage zeigen, wenn es notwendig ist und gegen jedes Hassposting anschreiben. Nicht mehr antworten reicht jetzt nicht mehr!